Das, was sich jetzt in den kommenden Monaten als massive
Preiserhöhungen niederschlagen wird, ist die Folge einer
Inflationsentwicklung, ausgelöst durch das Spekulationsdesaster
deutscher Finanzeliten. Sie sind die Verantwortlichen für die
Bankenkrise in Deutschland. Damit die Banken in Deutschland
vor einer Liquiditätskrise, sprich Pleite, geschützt werden können,
fließen zig Milliarden Euro aus der EZB (Europäische Zentralbank)
in prekäre Kreditinstitute. Allein in den letzten 14 Tagen sind etwa
240 Milliarden Euro. Und da dieses Geld schlichtweg nicht vorhanden
ist, hat man einfach die Druckmaschinen angeworfen(!). Gedrucktes Papier ohne Deckung.
Die Preissteigerungen auf dem Lebensmittelsektor sind erst der Anfang
und der Beginn einer epidemisch sich ausbreitenden Preis-Hausse, auch
im sogenannten Non-Food-Bereich.
Das volle Ausmaß der
Finanzkrise wird erst im kommenden Jahr richtig deutlich. Und dann aber
auch wirklich jedem; denn die Lebensmittelpreise werden vergleichbar
mit denen der Steigerungraten auf dem Energiemarkt. Für viele bedeutet
das schlichtweg, daß sie sich Lebensmittel nicht mehr wie gewohnt
werden leisten können. Unterversorgung und Mangelernährung für ärmere
Schichten werden zur Regel werden.
Was jetzt vielen vielleicht wie
"Kaffeesatzleserei" oder chronischer "Zweckpessimismus" erscheinen mag
- wer Recht hat, wird sich sehr bald und sehr schnell herausstellen.
Allein
in den letzten zwei Jahren wurde Weizen um fast die Hälfte teurer. Die
Getreidenotierungen werden hoch bleiben und sogar weiter steigen,
meinen OECD und Welternährungsorganisation (FAO)
Konkret
wird in der Untersuchung ein weiterer Preisanstieg bei Getreide um 20
bis 50 Prozent über die nächsten zehn Jahr vorausgesagt, weshalb
Ökonomen bereits von einer "agflation" ( anm.: Agrar-Stagflation)
sprechen. Von dieser Entwicklung werden die ärmeren Staaten sowie die
Bewohner von Großstädten besonders betroffen sein, heißt es in dem
Bericht. Erstes Anzeichen für die sozialpolitische Sprengkraft dieser
Agrar-Hausse waren heftige Straßenproteste gegen die Verdreifachung der
Tortillas-Preise in Mexiko, die eine Folge der heftigen
Mais-Zukäufe der USA waren. Die amerikanischen Farmer setzen massiv auf
die Ethanol-Produktion und sorgen mit ihren Importen in den
Nachbarstaaten für Knappheit.
Gar nicht glücklich mit dem
Biosprit-Boom ist die Lebensmittelindustrie. "Das geht völlig in die
falsche Richtung, weil Rohstoffe für die Energie- statt für die
Nahrungsmittelerzeugung verwendet werden", meint Ernst Klicker,
Geschäftsführer bei Unilever Österreich. Der Konzern
verzeichnete allein im letzten Jahr bei Raps, das ja auch für Speiseöle
verwendet wird, einen Preisanstieg von 15 Prozent. Die Verteuerung
werde sich mit Sicherheit auf die Lebensmittelpreise auswirken, meint
Klicker. Abgesehen davon bezweifelt er den postulierten ökologischen
Nutzen der "grünen Energie": Der Wassermangel in vielen Gebieten werde durch den Anbau verschärft, in Ländern wie Brasilien die Abholzung des Regenwalds vorangetrieben. Und auch Fleisch wird wegen der steigenden Futtermittelpreise teurer.
Trotz
der nachteiligen Effekte der Biosprit-Herstellung ist der Trend nicht
zu stoppen. Denn nun steigen zusehends Schwellenländer in die
Ethanol-Produktion ein. Die OECD sagt für China eine knappe
Verdoppelung der Ausbringung auf 3,8 Milliarden Liter im Jahr 2016
voraus. Auch in Indien wird trotz der Wasserknappheit massiv auf
Ethanol gesetzt: "Wenn diese Länder voll einsteigen und große Mengen
von den Weltmärkten aufsaugen, wird das die Situation verschärfen",
erklärt Christian Gessl von der Agrarmarkt Austria. Er verweist
freilich auf andere, positive Entwicklungen: Anstatt
Getreideüberschüsse mit hohen Exportstützungen ins Ausland zu schicken,
erfreuen sich die Landwirte bester Nachfrage und verdienen gutes Geld.
Dass die ökologische Rechnung – insbesondere was den Klimaschutz anbelangt – aufgehen wird, bezweifelt auch die OECD.
Laut
ihrer Prognose wird der Anteil des Biosprits an den Treibstoffen in
Europa lediglich auf 3,3 Prozent ansteigen und somit weit unter den
Zielen der EU liegen. Und das, obwohl sich die Produktion von Ölsaaten
(vor allem Raps) auf 21 Millionen Tonnen verdoppeln wird.
Unilever-Mann
Klicker sieht seine Kritik in diesem Ausblick bestätigt: "Selbst wenn
man das gesamte Brachland zur Biosprit-Produktion verwenden würde, sind
die Ziele zur erneuerbaren Energie nicht erreichbar." (aus, DER STANDARD (Österreich), Print-Ausgabe, 05.07.2007)
Hinzu kommt, daß Lebensmittel als Spekulationsobjekt jüngst auch von Investmentspekulanten (Hedge-Fonds)
entdeckt worden sind. Diese Gier wirkt wie ein Treibsatz auf die
Lebensmittelpreise. An der Warenterminbörse in Chicago werden die
Rohstoffe - wie Weizen und Ölsaaten zum Beispiel - als
Spekulationsobjekt auf die Zukunft gehandelt; will heißen, daß man auf
Preise spekuliert, die eine Tonne Weizen im nächsten Monat, nächsten
halben Jahr z.B. kosten wird. Und da man weiß, daß die
Biospritproduktion eher zu-, als abnehmen wird, rechnet man von Intervall zu Intervall mit höheren Preisen.
Binnen eines Jahres hat sich der Preis für das Getreide in etwa verdoppelt.
Die
Kombination aus verstärkter Nachfrage von Entwicklungsländern,
steigenden Bevölkerungszahlen, wetterbedingter Beeinträchtigung der
Ernte und großer Getreidenachfrage der Biogas-Industrie wird auch in
Zukunft zu Preiserhöhungen führen. Wegen der gestiegenen Rohstoffpreise
rechnet auch die deutsche Lebensmittelbranche (Unilever) mit höheren Preisen, etwa bei Nudeln oder Brot.
Wir erleben zur Zeit lediglich die Ouverture zur ansteigenden Preisspirale.
Daß
dies auch für Unruhe bei den Vordenkern für innere Sicherheit,
Schäuble, Bosbach und Co. führt, sieht man an den vielfältig werbenden
Aktivitäten in Sachen "Online-Durchsuchung". Möglich, daß man in
Sicherheitskreisen für die Zukunft mit massiven Unruhen in Teilen der
Bevölkerung rechnet.
Der islamische Terrorismus allein ist es sicher
nicht - ganz sicher nicht!
Peter Christian NowakRedaktion:
!Tacheles - Im Namen des Volkes?!
www.tacheles-im-namen-des-volkes.de
|